Servus Dahoam,
wir melden uns wieder aus der argentinischen Pampa mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen im Gepäck.
Ab Puerto Montt begann die abenteuerliche und traumhafte Carretera Austral, die nicht umsonst zu den schönsten Straßen der Welt zählt. Um diese zu erreichen, muss man allerdings erst mit 3 Fähren die schöne Fjordlandschaft durchqueren und wir wurden sofort von dem patagonischen Wetter mit viel, viel Regen und heftigem Wind begrüßt. Wir unternahmen aufregende Wanderungen im Hornopiren und Pumalin Nationalpark, vorbei an rauschenden Wasserfällen und durch tiefgrüne Farnlandschaften auf äußerst ursprünglichen Wanderwegen – und Pfaden. In die Straße hängen von beiden Seiten die regenschirmgroßen Blätter der Nalcas (Riesen -Rhabarber) und der sattgrünen Farne, überall dampft der Dschungel und die Wolken hängen tief, doch plötzlich entdeckten wir hier eine grüne Lagune und dort einen Vulkankegel, eine sehr spannende Strecke. Leider konnte man sich als Fahrer auf nichts anderes außer der “Straße” konzentrieren, denn die Schlaglöcher sind so groß, dass der ganze Rodolfo darin Platz hätte und der wellenartige Schotter lässt das Auto schnell schlittern und schlingern.

Bis zu Juli’s Geburtstag hielt uns der viele Regen fest in seinen Händen, doch als das schönste Geschenk überhaupt bekamen wir an diesem Tag Sonnenschein und traumhaftes Wetter, welches den ganzen Februar über hielt und so konnten wir mit trockenen Füßen weiter in die patagonische Wildnis dringen. Wir kamen in die Nähe des reißenden und weltbekannten Flusses Futaleufu, ein Mekka für alle Kajak – und Raftingfans und selbstverständlich ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen. Mit vier Russen und einem alten Haudegen als Guide stürzten wir uns in die schäumenden Fluten und erklommen brutale Stromschnellen, einige heftige, sogenannte “Waschmaschinen” und wurden von dieser extremen Gewalt ordentlich durchgeschüttelt. Es ging alles gut und war eine Riesengaudi bis unser Guide uns wohl ein wenig überschätzte und uns in Gewässer führte, mit Stellen der Stärke V im Wildwasser, mehr geht nicht! Trotz höchster Motivation kenterten wir in der schlimmsten Passage auf diesem Fluss, wie wir danach aussahen, könnt ihr euch vielleicht vorstellen … Ein Erlebnis was man definitiv nicht vergisst! Danach ließen wir es dann erstmal eher ruhiger angehen :-)
Die Carretera Austral führte uns durch atemberaubende Berge – und Seenlandschaften gnadenlos weiter Richtung Süden. Wir kamen an ächzenden Hängegletscher vorbei, die ihre blauen Massen direkt in türkisfarbene Lagunen drängen, wie z.B. am Ventisquero Colgante, an tiefschwarzen und bedrohlich wirkenden Vulkanen vorbei und doch auch immer wieder durch friedliche und grüne Almen und Wiesen, auf denen die Schafe und Kühe gemütlich grasen und die Cowboys fürs nächste Rodeo üben.
Nach dem wir dann plötzlich in eine sandige und staubige Mondlandschaft gerieten, kam der grandiose Cerro Castillo in den Blick, ein Berg mit schwarzen Felsspitzen, die ein gigantisches Schloss hoch oben in den Wolken bilden. Wir konnten die blicke kaum abwenden und beschlossen daher, uns nach all den vielen Eindrücken ein Weilchen hier niederzulassen und da man sich an diesem Fleckchen Erde sehr einsame und verlassen fühlt, war es nicht schwer ein Traumplatzerl ganz für uns alleine zu finden. Nicht ganz, denn ab und zu ritten ein paar Cowboys durch den unberührten Gletscherfluss an dem wir campierten und wir fragten uns manchmal wo sich die Filmsets für den guten, alten Westernfilm verstecken.
Bald darauf erreichten wir den zweitgrößten See Südamerikas, den Lago General Carrera und auf der argentinischen Seite der Lago Buenos Aires (man konnte sich wohl nicht auf einen Namen einigen) und diesem unglaublich schönen türkisfarbenen See umrahmt von spitzen Bergen und blauen Gletschern und mit all seinen Inseln und weißen Stränden blieben wir eine ganze Weile treu. Ein unfassbar schöner Abstecher war z.B. die Wanderung zum Lago Leones, ständig die schneebedeckten Kuppen des höchsten Berges Patagoniens im Blick bis direkt an die Gletscherzunge des riesigen Campo de Hielo Norte. Wir wurden zwar fast umgeweht von den extremen Windböen aber das Knacken und Knarren vom Gletscher und der atemberaubende Blick ließen uns einfach nicht los.
Ein weiterer sehr lohnender Abstecher war die Fahrt zu dem einzigartigen Dörfchen Caleta Tortel mit seinem A.d.W.-Charakter. Der gesamte Ort ist auf Stelzen errichtet und man bewegt sich nur auf Stegen und Treppen vorwärts, ein kleines Venedig aber durch die Abgelegenheit noch absolut ursprünglich. Ab hier geht es nicht mehr weiter, Gletscher und Meer verhindern die Weiterreise per Auto auf der chilenischen Seite der Anden, somit ging es für uns zurück zu dem schönen, großen See. Auf dem Weg lag noch der Tamango NP und wir waren mit großem Glück gesegnet, denn wir sahen eines der vom Aussterben bedrohten Andenhirschen, sogenannte Huemuls! Wir kamen sogar recht nahe ran und das innige Huemul hat das wenig beim Speisen gestört, im Nahhinein hörten wir, dass dies eine ganz besondere Begegnung war.
So langsam wurde es spannend, denn wir näherten uns dem Grenzübergang in Chile Chico und wussten nicht recht, wie die Grenzpolizisten reagieren, da wir leider noch keinen Padron, also auf deutsch den Fahrzeugbrief für unseren Rodolfo besitzen, da dieser in Santiago auf uns wartet und waren dementsprechend nervös. Aber diese Gedanken wurden sehr schnell verdrängt bei der unfassbaren Strecke an der südlichen Seite entlang des Sees. Hinter jeder Kurve erschien ein neues Postkartenmotiv und eine solch atemberaubende Szenerie, sodass es fast unmöglich war nicht alle 100 Meter stehen zu bleiben und sich zu zwicken, da man den Augen nicht mehr trauen konnte. Noch dazu hatten wir diese Naturschönheiten völlig für uns alleine. Es ist absolut unvorstellbar, dass ein derartiger See nicht komplett zugebaut ist wie der Gardasee, so weit das Auge reicht keine menschlichen Erzeugnisse, nur die Schotterpiste auf der wir uns bewegen und trotz Steilhänge keine Seitenplanken hat, wir lieben Patagonien !!!
In dem Nest Chile Chico angelangt zögerten wir den Grenzübergang noch ein wenig hinaus und statteten dem Jeinimeini NP einen Besuch ab. Die Landschaft hat sich schon wieder völlig verändert und ähnelte nun eher einer Wüste mit typischen Marlboro-Felsen die wie Nadeln aus dem sandigen Boden ragen. Wir unternahmen eine schöne Wanderung durch eine karge, aber sehr interessante Natur, sahen alte Höhlenmalereien der Indianer und riesige Kondore flogen über unseren Köpfen hinweg. Im Valle de la Luna stahlen sich die roten Felsnadeln gegenseitig die Show und die heiße Sonne brannte auf uns herab. Es gab in dieser unwirklichen Gegend auch richtige Oasen und letztendlich trafen wir auf einen spiegelglatten See der die ganze Bergszenerie 1:1 wiedergab. Völlig beeindruckt aber auch ein wenig verrückt über den raschen Wechsel der Flora begaben wir uns also zum Grenzübergang.
All die Bedenken waren absolut umsonst, denn es klappte alles wunderbar und unsere Papiere waren ausreichend, Bienvenido Argentina! Sofort bei der nächsten Gelegenheit hielten wir bei einem Restaurant und ließen uns ein argentinisches Steak schmecken, es war himmlisch und hält dem Ruf definitiv stand! Zwar müssen wir hier neu umrechnen, das Geld auf dem Schwarzmarkt wechseln aber am meisten Unterschied besteht ganz klar durch die Landschaft, denn wir sind in der Pampa gelandet. Kilometerweites Nichts, Steppe mit rot – orangenem Sand und Gestein, die Strauße und Guanacos (wilde Lamas) bestaunen uns vom Straßenrand. Aber Achtung welch Segen, es gibt hier Asphalt und diese ruhige Art zu Fahren war uns schon ganz fremd ;)
Es ging erstmals Hunderte Kilometer durch die absolute Pampa, vorbei an einsamen Estancias, wo man sich fragt wovon die Leutze hier leben. Bis wir irgendwann über eine Kuppe fuhren und plötzlich einen glitzernden See vor uns fanden, den man dort niemals erwartet hätte. Wir verbrachten traumhafte Stunden an dem wunderschönen Lago Cardiel, der auch Lago Würzinger heißen könnte, denn wir waren hier mal wieder völlig alleine. Nur der Wind macht einem hier einen Strich durch die Rechnung, denn dieser hat nichts was ihn aufhält und pfeift einem unermüdlich um die Ohren.
So und nun zum Schluss kommt ein absolutes Schmankerl, denn wir kamen zum berühmten und gigantischen Mount Fitzroy! Der erste Blick aus weiter Ferne verschlägt einem schon den Atem, denn eine solch beeindruckende Felsformation gibt es sonst nirgends auf der Welt. Je nähert wir kamen umso größer wurde die Gänsehaut und die Vorfreude auf ausgedehnte Wanderungen. Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter, keine Wolke am Himmel und klare Sicht auf die Flanken, ein sehr sehr seltenes Phänomen. Zuerst näherten wir uns seinem Trabanten und nicht minder eindrucksvollen Cerro Torre mit seinen drei Schwertspitzen die in den Himmel ragen und schon den Huaba Buam zum Verzweifeln brachte. Wir erreichten eine einmalige Lagune in die sich der Glaciar Grande ergießt und biwakierten dort. Bei Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg um den beeindruckenden Moment zu erleben wenn sich die Felsen blutrot zeigen. Ein einmaliger und mystischer Augenblick! Langsam näherten wir uns dem Giganten Cerro Fitzroy mit seiner roten Massiv, eine unbeschreibliche Schönheit der Natur. Auch hier wanderten wir bis zu seiner Lagune, diesmal bei Sonnenuntergang und waren absolut sprachlos von der Ausstrahlung dieses Berges.
All die blauen Gletscher leuchten uns entgegen und doch sehen wir nur einen Bruchteil des ewigen Eises des Campo de Hielo Sur (zur besseren Veranschaulichung, die Fläche des patagonischen Gletschermeeres beträgt 18000 Quadratkilometer, ganz Europa incl.. Island und Norwegen können nur mit mickrigen 3000km² dagegen halten). Wir saugen die Ruhe und unberührte Natur in uns auf, sind alltäglich aufs Neue begeistert und dürfen uns auf viele weitere Highlights freuen. Adios Amigos und Hasta Luego!
Nachtrag: Am Tag an dem wir den Ort El Chalten (Fitzroy und Torre) verlassen haben, radelte ein uns bekanntes Gesicht entgegen. Welch Wunder aber auch, dass man einen der Huaba Buam hier trifft ;)