Donnerstag, 17. Dezember 2015

Bunte Berge, weisse Seen, staubige Wueste - der Norden Chiles


Nach etwa 1,5 Jahren konnten wir es kaum erwarten, unsere Reise durch Chile fortzusetzen, um diesmal den hohen Norden zu erkunden. Unser treuer Gefaehrte Rodolfo wartete in Villarica auf uns und wir genossen die ersten Tage das satte Gruen, die angenehmen Temperaturen und dem Michi haben es besonders die wilden Gewaesser angetan! Mit einem geliehenen Kayak paddelte er die Fluesse Liucura & Trancura ab, was in unserer ersten Reise noch unmoeglich erschien!
Wir wanderten durch Aurakarienwaelder zu versteckten Lagunen, duempelten in feinen Thermalquellen und freuten uns riesig, wieder in diesem abwechslungsreichen und fantastischem Land zu sein.

Unsere Route fuehrte zuerst auf bekanntem Wege nach Santiago, wo wir gleich unsere Gleitschirme auspackten und uns einen ersten Erkundungsflug in den Anden goennten. Wir bemerkten sofort, dass der Wind hier ein ganz anderes Kaliber hat als bei uns in den Voralpen und fuer uns Fliegeranfaenger war das eine recht interessante Erfahrung!
Von Santiago aus hielten wir uns immer weiter noerdlich, die Landschaft wurde deutlich karger und die ersten 6.000er begleiteten uns auf dem Wege, bis die Autobahn bei La Serena endete. Von der chilenischen Autobahn haben wir nun jeden einzelnen Meter mitgenommen! Von dort bogen wir in das Elqui Tal ab, welches fuer sternenklare Naechte bekannt ist und sich daher mehrere Observatorien und Sternwarten befinden. Diesen Ausblick liessen wir uns natuerlich nicht entgehen und warfen einen Blick in ferne Galaxien und waren ueberwaeltigt von der Unendlichkeit und dem gewaltigen Sternenhimmel, der durch kein einziges noch so kleines Lichtlein gestoert wurde. Die Auswirkungen waren noch tagelang spuerbar, da wir jeden Abend ueber diverse Sternformationen und magelanische Wolken diskutierten...

Wir sind nun in der Atacama-Wueste angelangt, die ausgetrocknete, tonfarbene Erde flimmert unter der sengenden Hitze, oestlich ragen die Gipfel von Vulkanen und Bergen weit ueber 6.000 m in den Himmel und die unwirkliche Landschaft wird auch noch uebersaet von gelben, rosanen und lila Blueten, El Ninio laesst gruessen!
Riesige LKWs und Minenfahrzeuge mit 4 Meter hohen Reifen dominieren das Strassenbild, in den Autos sitzen schwarz verstaubte Minenarbeiter, die Staedte sind abweisend und kalt, nur etwas fuer Hartgesottene!

Wir fuellten den Reservekanister auf, checkten das Reserverad und machten uns in oestliche Richtung auf zu einem der hoechsten Bergpaesse der Welt, dem Paso San Franzisco auf ueber 4.000m Hoehe. Auf der Piste beutelte es uns ordentlich durch, ueber unzaehlige Kurven schraubten wir uns in die Hoehe und unsere Isomatten blaehten sich von alleine auf! Die Berge nahmen voellig unnatuerliche Farben von mintgruen ueber lila auf, am Wegesrand wurden wir von Vicunas und Esel begleitet und auf 3.800m stiessen wir auf einen traumhaften Salzsee nahmens Laguna Santa Rosa, in dem sich Flamingos tuemmelten und Berge spiegelten. Der Rand der Lagune war roetlich eingefaerbt und weiss verkrustet, es gab den Anschein als waeren wir auf einem fremden Planeten ganz weit weg!
Wir schraubten uns immer hoeher, kamen an dem hoechsten Vulkan der Welt vorbei, dem Ojos del Salado mit 6.800 m und ueberall tuermte sich das sogenannte Buessereis auf, voellig verrueckte Eisskulpturen, die durch den heftigen Wind, der aggressiven Sonne und erst ab einer Hoehe von etwa 4000 m entstehen.

Nach langer Fahrt ueber aeusserst holprige Pisten erreichten wir die Laguna Verde und staunten nicht schlecht ueber die abgefahrenen Farben des Sees! Wir versuchten unseren Feuchtigkeitshaushalt einigermassen in Ordnung zu halten und tranken bestimmt jeder 5-6 Liter Wasser, trotzdem spuerten wir die Hoehe ganz schoen und sahen zu, die Naechte nicht ganz so hoch zu verbringen.
Eine spektakulaere Fahrt durch das Altiplano folgte, vorbei an riesigen Salzseen und farbigen Vulkanen, durch endlose Weiten und ein Gefuehl von grenzenloser Freiheit stellte sich ein!

Nach 3 Tagen Abenteuer pur erreichten wir wieder das Meer und genossen die feuchte Meeresbrise und den Blick ueber die Massen an Wasser, nach der trockenen Wueste eine Wohltat.
Wir wanderten an den kakteenuebersaeten Kuestenkordilliere entlang und wunderten uns abermals ueber dieses verrueckte Land, denn innerhalb von ein paar Stunden Fahrt landet man von ueber 4000m auf Meeresniveau...

Wir fuellten unsere Vorraete wieder auf und nahmen Fahrt auf Richtung San Pedro de Atacama, dem naechsten Highlight dieser Reise.
Die Strasse fuehrte uns in schwindelerregenden Kurven zu dem hoechsten Geysirfeld der Erde, El Tatio auf 4.200m. Die Erde blubberte und brodelte was das Zeug haelt, allerdings nur bis zum Sonnenaufgang, da dann der heftige Wind einsetzt und den Rauchfahnen ein jaehes Ende bereitet. Dafuer kann man dann in einem schoenen Thermalbecken plantschen und die grandiose Weitsicht auf die wunderschoene Berg- und Vulkanwelt geniessen.


Wir bereiteten uns auf eine Bergexpedition auf den Cerro Soquette mit 5.400 m vor, eine anspruchsvolle Herausforderung, da der Wanderweg kaum sichtbar oder markiert war, der Berg sehr steil und die Hoehe tut ihr uebriges. Wir scheiterten leider auf etwa 5.000m, die Hoehe machte uns sehr zu schaffen und es waere leichtsinnig gewesen, die Tour uebers Knie zu brechen. Eine interessante Erfahrung, diese Hoehen sind einfach nicht fuer uns gemacht und wurden von uns auch deutlich unterschaetzt!

Dafuer warteten gleich in der Naehe die naechsten Sehenswuerdigkeiten auf uns, das spektakulaere Valle de Muerte, in dem sich die Juli beim Sandboarden versuchte und das grandiose Valle de la Luna, in dem wir einen traumhaften Sonnenuntergang mit einer Farbexplosion an den Haengen des Vulkan Licancabur erlebten, einem kegelfoermigen Vulkan aus dem Bilderbuch.

Wir entschieden uns in San Pedro spontan zu einem Trip nach Bolivien.
Die chilenischen Grenzformalitaeten konnten wir problemlos gleich in San Pedro erledigen, in Bolivien sah das ganz anders aus. Wir hielten gerade auf den Vulkan Licancabur zu und erreichten auf einer Hoehe von etwa 4.600 m die Grenze. Ein einsamer Wachposten liess uns einreisen, unser Rodolfo jedoch musste seperat an einer anderen Zollstation eingefuehrt werden und zwar auf ueber 5.000 m Hoehe!

Der Zollbeamte tat uns richtig leid auf seinem unmenschlichen, extrem windigen Arbeitsplatz und er freute sich sichtlich ueber etwas Abwechslung, da er unsere Daten aeusserst akribisch in zeitlupentempo in seinen Computer tippte...
Wir kamen an einer weiteren Laguna Verde mit unfassbar schoenen Farben vorbei, die Aussicht ausserhalb des Autos zu geniessen war allerdings ziemlich schwer, da der brutale Wind uns den Atem nahm!
Die Farben der Berge stellte nochmal alles gesehene in den Schatten, die Salvador Dali Wueste hatte verrueckte Sand-/Lehmformationen vor verschwommener Kulisse zu bieten und der Anblick der Laguna Colorado machte uns sprachlos.



Abertausende Flamingos spielten in blutrotem Wasser, die rosanen Fluegel hebten sich von dem weissverkrusteten Rand ab, die Szenerie wirkte einfach unglaublich.
Wir fuhen einen Teil der beruehmten Rally Dakar ab und da es keine Schilder oder sonstige Hinweise gab und sich die Sandpisten dauernd verzweigten, fuhren wir nur noch per Kompass! Nachdem wir dann ploetzlich an einem riesen Meteoritenkrater vorbei kamen und rund um uns Sand Devils wueteten waren wir restlos davon ueberzeugt, auf einem anderen Planeten zu irren.
Wir waren zum Glueck schon gut akklimatisiert, denn wir kamen ueber Tage nicht mehr unter 4000m und das Wasser wurde extrem knapp.

Umso gluecklicher waren wir, das Abenteuer gut und ohne Pannen ueberstanden zu haben, als wir am Salar de Uyuni ankamen, der groessten Salzpfanne der Welt!


Als wir stundenlang ueber den weissen See mit seinen verkrusteten Salzplatten fuhren und man die Grenzen zwischen Himmel und Erde nicht mehr auseinander halten konnte, dachten wir unsere Sinne spielen verrueckt. Die Berge in weiter Ferne schwebten ueber dem See und in der Mitte des Sees erreichten wir eine Insel, auf der sich wunderschoene bluehende Kakteen aneinander reihten!

Die Landschaft Boliviens hat uns absolut umgehauen, die Menschen dort sind allerding mit Vorsicht zu geniessen. Wir fuehlten uns oft unwohl durch die argwoehnischen, teils feindseeligen Blicke, wurden abgezockt und Hilfe darf man auch nicht erwarten! Derweil wirken die Chilenen wie die reinsten Engel auf uns, nachdem wir in Chile so viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit erfuhren! Daher freuten wir uns auch sehr, wieder zurueck nach Chile zu kommen. Die Grenze war wiedermal ein Abenteuer fuer sich, da wir uns mit tausenden LKWs auf enger, steiler und kurviger Strecke abplagen mussten. Dafuer wurden wir sogleich von den herrlichen Zwillingsvulkanen Parinacota begruesst!
In dem netten Kaff Putre erfreuten wir uns wieder an kleinen aber dafuer gut sortierten Lebensmittellaeden und goennten uns eine Schlammpackung in heissen Thermalbecken.

Eine steile Strecke fuehrte uns ein letztes Mal von knapp 4000 m auf 0 und bei Arica, nur 9 km von der peruanischen Grenze entfernt, stiessen wir wieder auf das Meer.
Das Rauschen klang wie Musik in unseren Ohren und wir verbrachten eine angenehme Nacht am Strand. Die letzten Tage entspannten wir uns in der sehr westlich gepraegten Stadt Iquique mit guten Restaurants, schoenen Straenden und natuerlich mit Gleitschirmfliegen! In Iquique sind wir im absoluten Paraglide Mekka gelandet und die Top Profis der Welt zeigten uns wies geht! Wir Anfaenger hingegen durften uns erstmal durch den Sand schleifen lassen, aber jeder Anfang ist schwer. Dafuer ist der Flug ueber Hochhaeuser und eine Landung am Strand etwas ganz Besonderes!

Der Rodolfo hat glueckliche, neue Besitzer und wird demnaechst nach Kolumbien reisen!
Wir hingegen kehren mit unglaublichen Erlebnissen, anstrengenden Abenteuern und vielen Geschichten heim. Es war eine besondere Reise, die uns viel abverlangte und auch Entbehrungen mit sich brachte, uns aber reich beschenkte und einen grossen Platz im Herzen fuer Chile hinterlaesst!

Zum Abschluss noch ein Video dieser Reise:


una aventura pura pt. 2 from Michael on Vimeo.



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